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Kutscherlyrik
The Seven-Fourty-Blues Ein Tag im Leben von Kalle Kutscher ist die Taxipostenwartezeit. Hier steht er harrend, Stund' um Stund', zuerst noch sind die Reifen rund, erst später dann, da stehn sie platt, obwohl er nichts gefahren hat. Und kommt nach Stunden endlich dann, ein Fahrgast an den Wagen ran, so scherzt der: "Oh, keine Bange, ich beanspruch’ Sie nicht lange.” Der Kutscher schmunzelt etwas schal, er hört’s ja nicht zum ersten Mal. Und so, kaum vier Mark achtzig später, erneut am Schwanz der Schlange steht er. Doch wegen so was, das ist klar, kriegt unser Mann kein graues Haar. Hält sich selber bei der Stange, die nächste Tour wird schon 'ne lange. Und wie's im Leben dann so geht, als er wieder vorne steht. Der Erste in der langen Spur, kommt über Funk promt eine Tour. "Fahren Sie", sagt die Funkerin, "zur Kneipe um die Ecke hin". Und wie nicht anders zu erwarten, da tut er seinen Motor starten. Als er ankommt, wenig später, folgt der Druck auf's Taxameter. Doch das ist leider ohne Zweck, der Kunde will jetzt doch nicht weg. Die drei Mark vierzig für die Katz und der Warteschlangenplatz, Dazu noch sieben Kilometer schon wieder mal der schwarze Peter. Der Motor muss erneut erkalten, die Stirne liegt schon leicht in Falten. Ein solcher Tag ist gar nicht nett, er wünscht sich sehnlichst heim ins Bett. Und dann, er kann es gar nicht glauben, dass ihm noch blühn gebrat’ne Tauben, springt einer bei ihm hinten rein, der will zum Kiez hin, das ist fein! Das endlich ist die gute Tour, fast sechzig Mark zählt seine Uhr. Doch gleich beim Halten, welch ein Schreck, die Tür springt auf, die Sau rennt weg. Trotz guter Reaktion und Sprint, das Schwein an Boden schnell gewinnt. Und ist am Ende leider schneller, der miese Taxi-Fahrpreis-Preller. In so ’nem Falle hilft gewöhnlich die Devise: nimm’s nicht persönlich! Nur fällts dem Kutscher gar nicht leicht sein Glaube an die Menschheit weicht. Jo mei, was hilfts, die Schulden drücken nun muss er unter’s Joch sich bücken. So fährt er halt zurück zum Posten um weiter vor sich hin zu rosten. Tut Stunden in der Kiste hocken, glaubt, ihn kann jetzt nichts mehr schocken, da gehn zwei grad am Posten lang, und reden laut im Überschwang. Nun guck’ bloß mal die Kutscher, Kalle, die machen sich bestimmt nich’ alle! So möcht ich auch mal Geld verdienen.” Die Dämlichkeit verzeih es ihnen! Gegen Dummheit hilft nun mal kein Kraut, was Kutscher zu seinem Glück durchschaut. Doch wird das Sitzfleisch langsam fester, es klebt schon leicht am Polyester, bis endlich dann die Tür aufgeht obwohl der Fahrgast kaum noch steht. Der Trunken-Ede aus der Klause, er lallt nur noch: faahmichnaahause. Fällt halbwegs in die Taxe rein und stinkt dabei wie’n altes Schwein. An diesem Punkte sind die Falten auf Kutschers Stirne nicht zu halten. Es drücken ihm des Alltags Plagen, auch ganz gehörig auf den Magen. Und so fährt er mit verzerrter Miene, im Taxi riecht’s jetzt nach Latrine, den Suffkopp für ‘nen Zehner heim, a goddammn’ fuckin’ waste of time. Zurück am Posten, noch benommen, viel schlimmer kann’s jetzt nicht mehr kommen, muss er erst mal die Sitze putzen, sonst wär’n sie nicht mehr zu benutzen. So langsam geht’s nach vorne weiter, schon ist er in der Schlange Zweiter, da steigt vor ihm einer wieder aus, der will für wenig Geld nach Haus. Er hat ‘nen Zwannie in der Hand, und möchte jott-we-de aufs Land. Als Kutscher meint das wär zu weit, da macht der Depp mit ihm gleich Streit. Brüllt lauthals rum mit großen Gesten, anstatt zu gehn einfach zum nächsten, verbraucht er Kutschers Nervenkraft, er wünscht den Typ in Einzelhaft. Und während sie so locker zoffen, warum nur hat es ihn getroffen? Fahr’n hinter ihm die Taxen los, Was Kutscher ganz besonders schätzte, natürlich war’s auch noch die letzte. Er deftig wie ein Fischweib flucht, bis dass der Typ das Weite sucht. Am Posten also jetzt alleine, steht er sich in den Bauch die Beine. Wartet nochmals eine Stunde, auf des Nachtbus nähxte Runde. Doch wie kann es anders sein, aus diesem Bus da kommt kein Schwein. So gibt er ohne Fahrgast auf, welch selten mieser Schichtverlauf. Und keine zwei Minuten später, nach nicht mal einem Kilometer, so tritt mich doch ein Pferdehuf, kommt über Funk der Postenruf. Ne Tour zum Flieger. ...und zurück!!! und wieder hat ein andrer Glück. Schon Murphy’s Wissen uns belehrt, wie man es macht, macht man’s verkehrt. Es gibt gelegentlich so Tage, da bist du kaum noch Herr der Lage. Und Kutschers Nerven liegen blank, das ist ja bald wie’n Ohnsorg-Schwank! Selbst die Moral von der Geschicht', die hat’s in diesem Falle nicht. Moral verbraucht sich gerne schnell, hier einzig hilft ein dickes Fell. Doch wenn am Ende gar nichts geht, dann gibt es noch das Stoßgebet: O Herr, ich mach jetzt Schluss für heute, so gib mir morgen . . . F E T T E B E U T E PS: ...wenn Sie mal wieder einem schlechtgelaunten Taxifahrer begegnen: Nehm’ Se’s ihm nich’ krumm!
von Jay Jay Evers |
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